Optische Kohärenztomographie: Fraunhofer IPT und Tokio Women’s Medical University gründen internationale Forschungsallianz

Pressemitteilung / 15.11.2018

Das nicht-invasive bildgebende Verfahren der Optischen Kohärenztomographie, kurz OCT, erreicht Eindringtiefen im Gewebe von mehreren Millimetern bei einem Auflösungsvermögen bis in den Mikrometerbereich. So kann die OCT beispielsweise dabei helfen, Krebs schon in frühen Krankheitsstadien zu diagnostizieren und zu behandeln. Ob sich die Technologie für eine bestimmte Anwendung eignet, hängt von der Lichtdurchlässigkeit des jeweiligen Gewebes ab. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen und die Tokyo Women’s Medical University TWMU haben nun die Forschungsallianz OCTmapp gegründet, um gemeinsam mit Partnern die OCT-Technologie für neue medizinische Einsatzmöglichkeiten weiter zu entwickeln.

© Foto: TWMU

Die OCT basiert auf kurzkohärenter Interferometrie mit infrarotem Licht und bietet nicht nur eine hohe Qualität der Darstellung, sondern bewahrt Patienten auch vor Strahlungsbelastungen und liefert sofortige Untersuchungsergebnisse. Sie eignet sich deshalb schon heute hervorragend dazu, den Aufbau und die Struktur organischen Gewebes zu untersuchen. Tumorgewebe, Knorpelgewebe oder entzündete Nerven lassen sich damit genauer untersuchen als mit vielen anderen heute gebräuchlichen Verfahren. Aktuelle OCT-Bildgebungssysteme basieren auf faseroptischen Konzepten und lassen sich damit leicht miniaturisieren. Im klinischen Alltag vieler medizinischer Disziplinen fehlt allerdings noch das Know-how zur Anwendung. In den kommenden Jahren könnte der Markt für OCT-Systeme vor allem in der minimal-invasiven Chirurgie und bei nicht-invasiven Anwendungen wachsen.

OCTmapp: Deutsch-japanische Forschungsallianz für die optische Kohärenztomographie

Mit der deutsch-japanischen Forschungsallianz OCTmapp wollen das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen und das Institute for Advanced Biomedical Engineering and Science ABMES der Tokyo Women’s Medical University TWMU eine Forschungspräsenz in Tokio aufbauen, die sich auf die OCT für neue klinische Anwendungen konzentriert. Ziel der gemeinsamen Projekte innerhalb der Allianz ist es, die OCT-Technologie als bildgebende Methode für neue medizinische Anwendungen weiter zu entwickeln.

»Die OCT ist eine Technologie, die wertvolle Beiträge zu den klinischen Anforderungen leisten kann, und die das Potenzial besitzt, den chirurgischen Arbeitsablauf deutlich zu verkürzen«, so Niels König, Abteilungsleiter Produktionsmesstechnik am Fraunhofer IPT und Projektkoordinator von OCTmapp. »Durch die Zusammenarbeit der Hochtechnologien beider Länder und dem hohen klinischen Niveau der TWMU wird ein neues Feld der Entwicklung von Medizinprodukten erschlossen«, ergänzt Professor Ken Masamune von der TWMU. »Wir hoffen, dass sich viele Wissenschaftler und Entwickler OCTmapp anschließen werden«. Maximilian Steiert, Direktor für Internationale und Politische Angelegenheiten der Fraunhofer-Gesellschaft, fügt hinzu: »Wir betrachten das Projekt OCTmapp als wichtigen Bestandteil einer erfolgreichen Fraunhofer-Internationalisierungsstrategie«.

Das Fraunhofer IPT verfügt über eine langjährige Expertise im Bereich der optischen Messtechnik und übernimmt innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft eine führende Rolle im Bereich der OCT. Das Institute for Advanced Biomedical Engineering and Science ABMES als eine zentrale Forschungseinheit der Tokyo Women's Medical University TWMU gilt als eine der renommiertesten medizinischen Einrichtungen in Japan mit weltweiter Reputation und Sichtbarkeit. Das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensbasierte Wirtschaft IMW bringt die erforderlichen sozioökonomischen Kompetenzen für Kommerzialisierungsfragen ein.

Interessierte Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen sind eingeladen, sich an der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsallianz OCTmapp zu beteiligen.

Internationale Tagung bildet feierlichen Rahmen für Start der Forschungskooperation

Besiegelt wurde die Gründung der Forschungsallianz OCTmapp und der gemeinsamen Forschungseinrichtung in Tokio durch eine offizielle Kooperationsvereinbarung, die die Partner während der von ihnen ausgerichteten Tagung »Medical Imaging – New Perspectives and the Role of OCT« in Tokio feierlich unterzeichneten.

Im Mittelpunkt der Konferenz, die am 8. November 2018 in der TWMU in Tokio zum ersten Mal stattfand, standen klinische Trends und Anwendungsbeispiele sowie technische Entwicklungsansätze der OCT-Technologie, die zukünftig klinische Arbeitsabläufe verbessern und die Belastung der Patienten reduzieren können. Während der Tagung informierten sich die 100 internationalen Teilnehmer über die Fortschritte der OCT-Forschung im medizinischen Bereich in zahlreichen Fachvorträgen von Referenten international tätiger Unternehmen wie EIZO, SANTEC, Systems Engineering oder TATSUTA sowie weiteren namhaften Experten führender internationaler Kliniken und Forschungseinrichtungen.

Die Konferenz richtete sich an klinische Experten, Ingenieure, Business Developer, Fördergeber und Wissenschaftler, um die klinischen Bedürfnisse und Anforderungen sowie die technischen Ansätze für eine neue Bildgebungsmodalität zu hinterfragen. Unterstützt wurde sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Tokio und der Japanischen Agentur für medizinische Forschung und Entwicklung AMED. Fraunhofer und TWMU/ABMES führten die Organisation der Konferenz mit Unterstützung von NRW Japan K.K. im Rahmen des Projekts OCTmapp durch.