Normgerecht im Flugzeugbau: Systematisch zur Zertifizierung nach EN 9100

Pressemitteilung / 4.10.2017

In der Luftfahrt gelten höchste Sicherheitsanforderungen – nicht nur an Piloten, die Flugsicherung oder die Kontrollen an Flughäfen, sondern auch an den Flugzeugbau. Durch die Norm EN 9100 können sich Unternehmen der Luftfahrtindustrie absichern, dass zugekaufte Komponenten den strengen Sicherheitsstandards entsprechen. Für die Zulieferer ist die Zertifizierung bislang allerdings sehr aufwändig, da die Liste an Kriterien zur Normierung umfangreich ist. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen hat nun gemeinsam mit Access e.V. ein systematisches Vorgehen entwickelt, das die Zertifizierung nach EN 9100 erleichtert.

Multi-BLIR
© Foto Fraunhofer IPT

Hochgenaue Prozesse im Flugzeugbau

Fliegen ist, gemessen an der zurückgelegten Kilometerzahl, eine der sichersten Arten der Fortbewegung und die Zahl schwerer Flugzeugunglücke aufgrund technischen Versagens geht seit Jahren weiter zurück. Um die extrem hohe Produktqualität aller Flugzeugbauteile sicherzustellen und nachzuweisen, müssen sämtliche Zulieferer genau festgelegte Anforderungen erfüllen. Diese Anforderungen an Qualitätsmanagement­systeme der Luftfahrt sind in der Europäischen Norm 9100 detailliert definiert, sodass alle Luftfahrtunternehmen bei ihrer Qualitätskontrolle sichergehen können, dass zertifizierte Zulieferer die hohen Sicherheitsstandards erfüllen. Für die Zulieferer selbst ist der Weg zur Zertifizierung nach EN 9100 jedoch sehr aufwändig: Die Anwender müssen sich in die umfangreiche Normenlandschaft einarbeiten und für ihr Unternehmen individuelle Prozesse und Maßnahmen ableiten, sodass meist ganze Teams mit den Vorbereitungen der Zertifizierung befasst sind.

Das Fraunhofer IPT hat gemeinsam mit seinem Partner im Forschungsprojekt »IDEAL« ein systematisches Vorgehen entwickelt, mit dem sich Zulieferunternehmen der Luftfahrtbranche selbstständig und entsprechend ihrer individuellen Anforderungen auf die Zertifizierung vorbereiten können. Das Vorgehen unterstützt die Unternehmen umfassend von der Sammlung aller Informationen über die Dokumentation bis zur Ableitung erforderlicher Maßnahmen und verkürzt so die intensive Einarbeitung der eigenen Mitarbeiter in die komplexen Normierungsverfahren.

In sechs Schritten zur Zertifizierung nach EN 9100:2009

Fraunhofer IPT und Access haben im BMWi-geförderten Forschungsprojekt »IDEAL« ein Vorgehen in sechs Schritten entwickelt: von der Analyse des Status quo und den Vergleich mit dem Soll-Zustand über die Entwicklung von Handlungsempfehlungen, ihre Priorisierung und Dokumentation bis zum Audit.

Im Projekt wurde die Norm detailliert analysiert und die Anforderungen in einem allgemeinen und mehreren prozessbezogenen Lastenheften kategorisiert. Die produzierenden Unternehmen wählen aus, welche Prozesse für sie relevant sind und welche Kriterien sie tatsächlich erfüllen müssen. Durch die gesammelten Muss- und Kann-Anforderungen in den Lastenheften können produzierende Unternehmen die Bedeutung der Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Zertifizierung leicht selbst einschätzen.

Das Lastenheft lässt sich mit wenig Aufwand auf unterschiedliche produzierende Unternehmen aus dem Flugzeugbau übertragen. Im Projekt haben die Wissenschaftler die Beispielprozesse Sichtprüfung, Koordinatenmessprozess und Messung per Weißlicht-Interferometrie detailliert unter die Lupe genommen und gezeigt, dass ihr neues Verfahren erfolgreich ist – ihr Partner Access wurde noch vor Ende des Projekts nach EN 9100:2009 zertifiziert.