Gleitlager sind kritische Komponenten in der Automobilindustrie, der Luftfahrt und der Energieerzeugung. Hochleistungsanwendungen erfordern Lager, die eine hohe strukturelle Steifigkeit mit ausgezeichneten tribologischen Eigenschaften vereinen. Bimetall-Lager – bestehend aus einem Stahlsubstrat mit einer Bronzebeschichtung – erfüllen diese Anforderungen.
Aktuell werden Bimetall-Lager durch Gießen von Bronze auf ein vorbereitetes Stahlsubstrat hergestellt. Der Prozess umfasst eine umfangreiche Vorbereitung des Rohmaterials, manuelle Handhabung sowie anschließende Nachbearbeitung – die Gesamtprozessdauer beträgt etwa drei Tage. Die Materialeffizienz ist entsprechend gering und liegt unter zehn Prozent. Darüber hinaus enthalten die im Gießverfahren eingesetzten Bronzelegierungen typischerweise Blei, was nicht den RoHS-2-Richtlinien entspricht. Es besteht daher ein klarer Bedarf an einem bleifreien und ressourceneffizientem Alternativverfahren.
Im Forschungsprojekt »CoilCladding« entwickelt das Projektteam eine neue Methode zur Herstellung von Bimetall-Lagern, die sowohl industriell skalierbar als auch ökologisch nachhaltig ist.
Zum Einsatz kommt hier das am Fraunhofer IPT entwickelte und patentierte Verfahren Express Wire Coil Cladding (EW2C). Dabei handelt es sich um eine Weiterentwicklung des drahtbasierten Laserauftragschweißens (LMD-w), speziell für die Beschichtung rotationssymmetrischer Bauteile konzipiert.
Die entscheidende Innovation liegt in der Entkopplung der Drahtzufuhr vom eigentlichen Schweißprozess: Der Draht wird zunächst zu Federwindungen gewickelt und direkt auf die zu beschichtende Welle positioniert. Während des Schweißens rotiert die Welle um ihre eigene Achse, während ein Hochleistungslaser die Windungen auf die Oberfläche aufschweißt. Diese Entkopplung sorgt für höhere Prozessstabilität und erheblich gesteigerte Auftragraten – bis zu 14 kg/h bei Verwendung eines 35-kW-Lasers – ohne durch die Drahtzuführgeschwindigkeit begrenzt zu sein.
Vorausgegangene Arbeiten am Fraunhofer IPT haben das EW2C-Verfahren erfolgreich mit Stahl und Nickelbasierlegierungen erprobt. Bronze stellt jedoch neue Herausforderungen dar – insbesondere hinsichtlich der Oxidationsneigung und der Drahthandhabung. Das Projekt untersucht daher drei eng miteinander verknüpfte Forschungsbereiche zur Qualifikation des Verfahrens für die industrielle Bronzebeschichtung.
Die Forscherinnen und Forscher fertigen mehrere Demonstratoren mit verschiedenen Coil-Geometrien, um die gesamte Prozesskette zu validieren. Die Beschichtungseigenschaften werden durch metallographische Analyse und mechanische Tests charakterisiert; die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Verfahrens wird im Vergleich zum konventionellen Gießverfahren bewertet. Bei Projektabschluss steht eine vollständig industriell einsatzfähige Prozesskette für die Bronzebeschichtung rotationssymmetrischer Bauteile zur Verfügung, die das EW2C-Verfahren auf einen industrietauglichen Technologie-Reifengrad bringt.
Gleitlager werden branchenweit eingesetzt – in Märkten mit stabilem wie auch in schnell wachsendem Umfeld, von der Luftfahrt bis zur Windkraft. Über die Lagerbranche hinaus kann das neue Verfahren auf jeden Anwendungsbereich übertragen werden, der hochqualitative tribologische oder thermische Beschichtungen auf rotationssymmetrischen Bauteilen erfordert.
Das Projekt »CoilCladding« wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages im Rahmen des Programms »Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)« gefördert.
Förderkennzeichen: KK5271505JN4
Projektträger: AiF Projekt GmbH