Großflächige Fertigung von optischen Masterwerkzeugen

Mikroskopische Strukturen auf großer Fläche

Für die Herstellung von Mikrostrukturen gibt es verschiedene zerspanende Prozesse, mit denen sich Oberflächen für optische, mikrofluidische oder medizintechnische Anwendungen funktionalisieren lassen. So lassen sich beispielsweise Formeinsätze für großflächige Retroreflektoren oder Lab-on-a-disc herstellen.

Sondermaschine des Fraunhofer IPT: Hobelmaschine schafft kleine Strukturen auf großer Fläche

Zumeist ist die Größe der Bearbeitungsfläche bei Ultrapräzisionsmaschinen durch die Maschinenkinematik stark limitiert. Am Fraunhofer IPT haben wir ein Maschinenkonzept entwickelt, mit dem sich Oberflächen bis zu 800mm x 1200mm bearbeiten lassen: Bei der Ultrapräzisionshobelmaschine des Fraunhofer IPT handelt es sich um eine hydrostatische Ultrapräzisionsmaschine mit einem Granitbett und -portal. Sie verfügt über drei lineare Achsen (X, Y, Z) sowie einen Maschinenrundtisch mit einer Drehachse (C). Zukünftig wird sie noch um eine weitere A-Achse aufgerüstet. Nur wenige Produktionsmaschinen dieser Art besitzen ein Achssystem mit derart großen Verfahrwegen.

Hobeln und Fly-Cutting von Nichteisenmetallen mit dem Diamanten für viele hochpräzise Anwendungen

Zum Einsatz kommen Hobel- und Fly-cutting-Prozesse, bei denen nichteisenhaltige Werkstoffe wie Kupfer, Aluminium, Neusilber und Nickelphosphor mit einem monokristallinen Diamanten bearbeitet werden. In die Oberfläche des Werkstücks können so unterschiedliche Strukturen eingebracht werden. Für optische Anwendungen werden häufig sogenannte V-Grooves gefertigt, aber auch andere Strukturen, beispielsweise Pyramiden, lassen sich mit Fly-Cut- oder Hobelverfahren fertigen. Durch den Einsatz spezieller Konturwerkzeuge können auch zylindrische oder azylindrische trapezförmige Nuten geschnitten werden.

Herstellungstechnologien für großflächige Formwerkzeuge

Fly-cutten

Beim Fly-Cutting rotieren Schneidwerkzeuge in linear geführter Bewegung auf der Oberfläche des Bauteils. Im Unterschied zum Diamantdrehverfahren wird das Werkstück beim Fly-Cutting mit unterbrochenen Schnitten bearbeitet. Dies schafft eine konstante Oberflächenqualität mit einer Rauheit im Nanometerbereich. Durch den Einsatz des Fly-Cutting-Verfahrens können beispielsweise großflächig pyramidenförmige Strukturen mit optischer Oberflächenqualität werkzeugschonend hergestellt werden.

Hobeln

Beim Hobeln handelt es sich um ein Bearbeitungsverfahren mit geometrisch bestimmter Schneide. Dabei wird das Bauteil in Vorschubbewegungen senkrecht zur Schnittrichtung geführt. So lässt sich eine hohe optische Qualität unterhalb von 10 nm Ra erreichen. Meist werden Bauteile mit symmetrischen, scharfkantigen Geometrien gefertigt. Auch die direkte Strukturierung eines Produkts, zum Beispiel eines prototypischen lichtstreuenden Panels, ist mit dem Hobelprozess möglich.

Anwendungsfelder für die großflächige Zerspanung

 

Optische Anwendungen

Zu den klassischen optischen Anwendungen, bei denen zerspanende Verfahren wie Hobeln oder Fly-Cutting für die Herstellung der Formwerkzeuge zum Einsatz kommen, gehören Vorsatzoptiken, Lichtleiter, Retroreflektoren und Head-up-Displays.

 

Mikrofluidik

Lab-on-Disc oder Lab-on-Chip-Systeme basieren häufig auf Trägersubstraten aus Kunststoff, die in Spritzgießprozessen vervielfältigt werden. Bei der Herstellung der Masterform werden Kanalstrukturen durch Mikrofräsen und Hobelprozesse eingebracht.

 

Medizintechnik

Durch Mikro- und Nanostrukturen lassen sich Oberflächen funktionalisieren, so dass sie beispielsweise Zellwachstum stimulieren oder im Gegenzug antimikrobielle Effekte erzielen.