ICTM Conference 2017: »Turbomaschinenbau profitiert durch Digitalisierung und Vernetzung«

Pressemitteilung / 23.2.2017

Mehr als 250 Experten aus 19 Ländern waren am 15. und 16. Februar zur vierten internationalen Konferenz für den Turbomaschinenbau, der ICTM Conference 2017, nach Aachen gekommen. Referenten aus führenden Unternehmen der Branche berichteten in 20 Vorträgen über aktuelle Entwicklungen und Zukunftstechnologien für die Fertigung und Anwendung von Turbomaschinen sowie ihrer Komponenten in Luftfahrt und Energiegewinnung.

© Foto Fraunhofer IPT

Die Software dokumentiert im Digital Twin alle Fertigungsschritte und Maschinenparameter die zur Herstellung des Produkts unternommen wurden.

»Der Turbomaschinenbau profitiert von der Digitalisierung und Vernetzung der Produktion« – so lautete eine der wesentlichen Schlussfolgerungen der ICTM Conference in diesem Jahr. Effizienzsteigerungen und sinkende CO2-Emissionswerte stehen als Entwicklungsziele ganz oben auf der Agenda der Turbomaschinenhersteller; das gelte in der Luftfahrt ebenso wie in der Energiegewinnung. Technologische Herausforderungen biete dabei vor allem die Fertigung besonders leichter, hitzebeständiger und komplexer Bauteile in immer kürzeren Innovationszyklen. Diesen solle durch eine zunehmende Digitalisierung der Produktion begegnet werden. Einigkeit herrschte bei Referenten und Teilnehmern der Konferenz darüber, dass dafür in der Fertigung und Reparatur gänzlich neue Konzepte und Verfahren erforderlich sind.

Das Who-is-Who des Turbomaschinenbaus trifft sich in Aachen – und diskutiert über Industrie 4.0

Experten aus zentralen Unternehmen des Turbomaschinenbaus wie der Siemens AG, Rolls-Royce Deutschland Ltd. & Co. KG, MTU Aero Engines AG, MAN Diesel & Turbo SE oder Pratt & Whitney, aber auch aus IT und Datenverarbeitung, vertreten beispielsweise durch die SAP AG und PTC Inc., beleuchteten in acht unterschiedlichen Sessions die branchenbezogenen Aspekte der Industrie 4.0, des Additive Manufacturing und verschiedener Hochleistungs-Fertigungsverfahren aus ihrer jeweils eigenen Perspektive. Gerade das Zusammenspiel zwischen diesen drei Technologietrends und ihre Grenzbereiche gelte es zu beherrschen, um sichere und innovative Produkte innerhalb kürzester Zeit auf den Markt zu bringen.

Maschinenhersteller und Technologieanbieter berichteten, wie wichtig es heute schon sei, Ansätze des »Smart Manufacturing« in die Bearbeitung der hochbelastbaren, schwer zu bearbeitenden Materialien zu implementieren, um am Ende eine Null-Fehler-Produktion der kostspieligen Komponenten zu erreichen. Strategien zur Digitalisierung der Prozesse, die Prozesskontrolle anhand des Digitalen Zwillings, der die vollständige Fertigungshistorie in sich trägt, und Ansätze für die Vernetzung von Maschinen und Anlagen mit Big-Data-Algorithmen in cloudbasierten Unternehmensnetzwerken prägten auch die anschließenden Diskussionen.

»Reduktion des CO2-Ausstoßes in der kommerziellen Luftfahrt gelingt nur durch bessere Gasturbinen«

Die zweitägige Veranstaltung, die in diesem Jahr so gut wie nie zuvor besucht war, lieferte mit dem Abschlussvortrag von Dr. Alan Epstein von Pratt & Whitney klare Belege und belastbare Zahlen dafür, dass in der Entwicklung und Nutzung von Gasturbinen in Luftfahrt und Energiegewinnung noch lange kein Ende in Sicht ist: So werden die Weiterentwicklungen im Turbomaschinenbau auch auf absehbare Zeit noch den wichtigsten Beitrag zur Reduktion des Netto-CO2-Ausstoßes in der kommerziellen Luftfahrt leisten.

Den Dialog beflügeln und Innovationen in die Anwendung bringen

Die Gastgeber der Konferenz, das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT und das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT hatten zusätzlich zum Vortragsprogramm im Aachener Eurogress am Ende des ersten Konferenztages auch ihre Maschinenhallen und Labore für die Besucher geöffnet: An insgesamt 44 Stationen der beiden Institute sowie des benachbarten Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen konnten sich Konferenzteilnehmer anhand von Live-Vorführungen und Einzelpräsentationen über Technologietrends informieren und die Grenzbereiche der Produktionsforschung im Turbomaschinenbau ausloten.

Die Aachener Konferenz, die sich eng an den Forschungs- und Entwicklungsthemen ihres Namensgebers, des »International Center for Turbomachinery Manufacturing«, orientiert, soll nach Angaben der Veranstalter auch in zwei Jahren wieder den Dialog der Turbomaschinenbranche beflügeln. »Es freut uns sehr, dass es uns erneut gelungen ist, dem Dialog zwischen Herstellern, Zulieferern und Forschungseinrichtungen neue Impulse hinzuzufügen. Der intensive Austausch hier während der Konferenz und mit unseren Partnern im ICTM Center hilft beiden Seiten, Innovationen schneller zu entwickeln und diese aus der Forschung in die industrielle Anwendung zu überführen«, resümiert Dr. Thomas Bergs, Geschäftsführer des Fraunhofer IPT, zum Abschluss der zweitägigen Konferenz. Als Termin für die nächste ICTM Conference ist bereits der 6. bis 7. Februar 2019 vorgesehen.