Wie Echsen trinken: Bionische Oberflächen für technische Bauteile

Presseinformation / 29.10.2012

Texanische Krötenechsen und Australische Dornteufel sind in extremer Trockenheit zuhause. Um in ihrer unwirtlichen Heimat zu überleben, nutzen sie einen besonderen Trick der Natur: Mit ihrer Schuppenstruktur können sie kleinste Wassermengen aus der Umgebung sammeln und ihre Haut damit benetzen. Feine Kapillaren in ihrer Oberfläche transportieren dann das Wasser zum Maul der Echsen. Die Strukturen der Echsenhaut auf technische Bauteile zu übertragen und damit die Benetzung mit Schmierstoffen und anderen Fluiden zu verbessern, ist jetzt Ziel im BMBF-geförderten Forschungsprojekt »BioLas.exe« des Instituts für Biologie II der RWTH Aachen im Lehr- und Forschungsgebiet Zelluläre Neurobionik und des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie IPT.

© Foto Quelle: Institut für Biologie II der RWTH Aachen

Texanische Krötenechse

© Foto Quelle: Institut für Biologie II der RWTH Aachen

Das Projekt »BioLas.exe« ist eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Biologen und Produktionstechnikern. Die Partner wollen in den kommenden drei Jahren die Schuppenstrukturen der feuchtigkeitserntenden Echsen untersuchen und diese mit dem Verfahren des Laserstrahlstrukturierens auf Bauteilen, zum Beispiel aus Stahl oder Messing, nachbilden. Die bionischen Oberflächen können etwa auf Lagern, Wellen oder Dichtungsringen dazu dienen, Flüssigkeiten wie Öle, Schmierstoffe oder Kühlmittel besser zu verteilen und den Verschleiß von Pumpen und Motoren zu verringern.

Aufgabe der Biologen ist es dafür zunächst, die Strukturen und Kapillareffekte der Echsenhaut zu untersuchen und geeignete Gestaltungsmuster für den Einsatz in technischen Systemen zu ermitteln. Die bionischen Strukturen, die die Echsenhaut zum Vorbild nehmen, flexibel und präzise in verschiedene Werkstoffe einzubringen, ist die Aufgabe der Produktionstechniker. Hier setzen die Fraunhofer-Forscher auf das Verfahren des Laserstrahlstrukturierens. Dabei trägt ein Laser in der Bearbeitungsmaschine gezielt Werkstoff von der Bauteiloberfläche ab und kann selbst komplex geformte Oberflächen mit nahezu beliebigen Strukturen versehen. Je nach Strukturmuster lässt sich so die Benetzungsfähigkeit der Oberflächen gezielt einstellen.

BioLas.exe – Software überträgt Strukturen auf frei geformte Oberflächen

Eine besondere Herausforderung wird es sein, die winzigen bionischen Strukturen auf die komplex geformten Bauteiloberflächen zu übertragen: Größe, Geometrie sowie Nano- und Mikrotopografien müssen exakt eingehalten werden, um die gewünschte Funktion sicherzustellen. Die Projektpartner setzen dafür auf eine selbst entwickelte Software, die die Strukturen digital auf die frei geformten Oberflächen überträgt und das Benetzungsverhalten auf dem Bauteil simuliert. Ziel soll es sein, dass die Struktur sich eigenständig und »intelligent« über die komplette Oberfläche des Bauteilmodells ausbreitet. Auch ein Katalog an geeigneten Strukturen, die durch die Biologen geprüft und von den Produktionstechnikern erprobt sind, wird Bestandteil der Software werden.

Potenzial für die industrielle Anwendung

Anhand ausgewählter Anwendungen wollen das Institut für Biologie und das Fraunhofer IPT die Marktfähigkeit des Verfahrens und sein Potenzial für die industrielle Anwendung nachweisen. Fundierte Kosten-Nutzen-Betrachtungen mit Blick auf konkrete Produkte sollen sicherstellen, dass das Verfahren bis zur Marktreife geführt werden kann.

Das Forschungsprojekt »BioLas.exe« startet im November 2012. Es wird für eine Laufzeit von drei Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im VIP- Programm (Validierung des Innovationspotentials wissenschaftlicher Forschung) gefördert und durch die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH, Berlin, als Projektträger betreut.

Weiteres Bildmaterial und zusätzliche Informationen zu diesem Thema finden Sie hier: