Industrie 4.0 – »Smart Glasses« im ersten Shop-Floor-Einsatz verkürzen Informationsprozesse

Presseinformation / 27.1.2016

»oculavis«, eine vom Fraunhofer IPT in Aachen entwickelte Softwarelösung zur Integration von Smart Devices in der Produktion, befindet sich nun erstmals im Shop-Floor-Einsatz. Vom 25. bis 29. April zeigt das Fraunhofer IPT auf der Hannover Messe in Halle 17, Stand C18 und Halle 2, Stand C16 Ergebnisse aus der Praxis.

© Fraunhofer IPT

Smart Glasses besitzen ein hohes Potenzial für den Einsatz in der Industrie

Die Robert Bosch Elektronika Kft. in Ungarn setzt die Softwarelösung seit Kurzem dazu ein, neue Mitarbeiter in einer Montagelinie für Trainingszwecke zu schulen. Die Datenbrille kann besonders bei komplexen Arbeitsabläufen helfen und ist damit ein Beispiel für adaptive, vernetzte Produktion im Industrie 4.0-Zeitalter. Neben Werkerassistenz sind hoch innovative Anwendungen wie mobile Bildverarbeitung zur Qualitätssicherung oder die Anbindung von Produktionsmaschinen per OPC-UA möglich.

Durch Smart Glasses können produzierende Unternehmen Informationsregelkreise drastisch reduzieren: der Nutzer muss sich nicht mehr von seiner Tätigkeit abwenden, um zum Beispiel in Arbeits- oder Prüfanweisungen nachzuschlagen. Das Gleiche gilt für Dokumentationstätigkeiten, die dank der Brille parallel zu den wertschöpfenden Prozessen erledigt werden können.

Die Datenbrille umfasst eine Kamera für Video- und Bildaufnahmen sowie ein Display und ist damit in der Lage, alle Arbeitsschritte schnell und direkt am Arbeitsplatz zu visualisieren. So können beispielsweise neue und ungeschulte Mitarbeiter dazu befähigt werden, ab dem ersten Tag selbstständig zu lernen und zu arbeiten. Aber auch routinierten Mitarbeitern, denen etwa bei Variantenwechseln des Produkts leicht Fehler unterlaufen, kann die Brille helfen. Das steigert im Unternehmen nicht nur die Produktivität, sondern trägt auch dazu bei, dem aktuellen Fachkräftemangel zu begegnen.

Wie kommen die Prozessschritte in die Brille?

Die Software des Fraunhofer IPT arbeitet mit kommerziell erhältlichen Datenbrillen, die über ein Android-Betriebssystem verfügen, und macht diese nun auch für die Industrie nutzbar. Mit einem sogenannten Prozess- und Kontexteditor lassen sich einzelne Schritte manueller oder hybrider Prozesse modellieren. Mitarbeiter eines Unternehmens können dann anhand einer App auf ihrer netzwerkfähigen Brille Verbindung zu der Software herstellen und die Prozessschritte der Reihe nach ausführen. Dazu scannen sie mit den Smart Glasses zu Beginn eines jeden Arbeitsauftrags zum Beispiel einen QR-Code. Die Navigation zum nächsten Prozessschritt oder eine Wiederholung des vorherigen erfolgt dann durch eine Gesten- oder Sprachsteuerung.

Smart Glasses erleichtern damit nicht nur Produktionsvorgänge. Sie können auch prozessbezogene Informationen, zum Beispiel zu Rüst- oder Durchlaufzeiten, innerhalb des Unternehmens schneller verfügbar machen. Auf diese Weise lassen sich ultrakurze Qualitätsregelkreise aufbauen – sogar über Standortgrenzen hinaus.

Außerdem können Mitarbeiter im laufenden Prozess auf weitere praktische Apps zugreifen: So müssen zum Beispiel Verbesserungsvorschläge am Produkt und im Prozess oder auch Fehlermeldungen bald nicht mehr aufwändig schriftlich dokumentiert werden, sondern können sofort am Ort des Geschehens durch Bild-, Video- und Sprachaufzeichnung eindeutig erfasst werden. Auch ein direkter Kontakt mit Entwicklern über Videotelefonie ist möglich, sodass akute Probleme unmittelbar gemeinsam gelöst werden können.

Aussichten

Obwohl Smart Glasses bereits jetzt die manuelle Produktion in der Industrie erheblich erleichtern könnten, sehen die Forscher des Fraunhofer IPT das Potenzial der Datenbrille damit noch längst nicht erschöpft: Durch eine sogenannte Kontextmodellierung lassen sich beispielsweise anhand stochastischer Analysen kontextbezogener Daten Fehlermuster in bestehenden Arbeitsabläufen aufdecken. Im nächsten Schritt können dann Rückschlüsse auf Fehlerquellen und -ursachen gezogen werden, um im Sinne eines präventiven Risikomanagements in Zukunft vorzubeugen. Auch können Verbesserungen eingeleitet und erprobt sowie ihre Wirksamkeit schneller und leichter überprüft werden.