Nische oder Massenmarkt – Die Zukunft der Optikbranche in Deutschland

Presseinformation / 18.12.2012

»2012 war ein positives Jahr für die Photonik – und auch der Blick auf das kommende Jahr bietet Anlass für Optimismus«, so der Tenor der vier Podiumsgäste des 7. internationalen Optikkolloquiums. Am 27. und 28. November begegneten sich in Aachen mehr als 100 hochrangige Vertreter der optischen Industrie. 14 Fachvorträge sowie eine mit anerkannten Experten besetzte Diskussionsrunde unter Leitung der Fernsehjournalistin Nina Ruge fassten die aktuellen Herausforderungen zusammen, die Unternehmen der Optik, Photonik und Halbleiterindustrie zurzeit bewegen.

Wie begegnet die europäische Optikindustrie ihrer Konkurrenz aus Asien im globalen Wettbewerb? Diese zentrale Frage dominierte die Diskussionsrunde am ersten Veranstaltungstag des Aachener Optikkolloquiums. »Entweder man flieht vor dem Drachen oder man versucht ihn zu reiten«, fasste Dr. Markus Weber, Leiter der Konzernfunktion Forschung und Technologie bei der Carl Zeiss AG den Umgang der deutschen Unternehmen mit den asiatischen Märkten knapp zusammen.

 

Seine Auffassung teilten auch die übrigen Mitglieder in der Runde – Dr. Dirk Michael Rothweiler, Leiter der Sparte Optische Systeme im Jenoptik-Konzern, Dr. Gerd Schreiter, Vorstand für Technologie, Forschung, Entwicklung und Produktion bei der Svarovski Optik KG und Dr. Jan Hamkens, Geschäftsführer der Docter Optics GmbH: Asien sei als Beschaffungsmarkt nicht mehr wegzudiskutieren, als Absatzmarkt für Europäer anspruchsvoll, aber von hoher Bedeutung.

Qualität als Standortvorteil

Die europäischen Unternehmen könnten hier besonders durch Qualität und gut ausgebildete Fachkräfte punkten. Dass die Konkurrenz aus Asien irgendwann den gleichen Standard wie die Europäer liefern könne, bezweifelte Hamkens zumindest auf mittlere Sicht. Optimierte Prozesse, eine bessere Ausbildung und sinkende Kosten würden gewährleisten, dass die Unternehmen hierzulande ihren technologischen Vorsprung noch auf absehbare Zeit beibehalten.

 

Die hochwertigsten optischen Bauteile kämen beispielsweise immer noch aus Mitteleuropa, Japan und den USA, da die chinesischen Hersteller nicht die gleiche Qualität liefern könnten. Entscheidend sei es deshalb, so Weber, auch weiterhin konsequent in Prozessentwicklung und Innovation zu investieren. Für die hiesigen Unternehmen sei es deshalb langfristig umso wichtiger eine Win-Win-Situation mit den asiatischen Herstellern anzustreben.

Fördermittel richtig einsetzen

Von der staatlichen Förderung der photonischen Technologien profitiere in Europa hingegen vor allem der Mittelstand. »Geld ist hier nicht alles, Entschlossenheit ist auch wichtig. Denn Innovation ist Technik, die vermarktet wird.«, betonte Rothweiler. Fördermittel sollten dazu beitragen, dass Ideen vermarktet werden. Eine effiziente Vergabe sei deshalb unabdingbar, hier stünden sowohl Förderträger als auch forschende Unternehmen und Institute in der Pflicht.

 

Weniger einig waren sich die Diskussionsteilnehmer darüber, wer vor allem von der Förderung  profitieren soll: Schreiter und Rothweiler brachen hier eine Lanze für die Forschungseinrichtungen. Hamkens hingegen sprach sich dafür aus, besonders junge, technologieorientierte Unternehmen zu unterstützen. Ziel sollte es sein – da waren sich alle Beteiligten einig, dass die Förderung möglichst unbürokratisch gewährt werden müsse. Denn gerade innerhalb der EU bedeuteten Förderanträge immer noch einen hohen administrativen Aufwand.

Sehr gefragt: Fachkräfte in der Optikbranche

Große Übereinstimmung herrschte auch beim Thema Fachkräftemangel: Gute Infrastruktur zum Leben und Arbeiten, Entwicklungsmöglichkeiten sowie flache Hierarchien zögen den Ingenieurnachwuchs schon heute an, berichtete Hamkens.  Schwieriger sei es aber, jungen Menschen überhaupt erst einmal Interesse an der Optikbranche zu vermitteln. »Photonik und Optik sind nicht so greifbar«, erklärte Rothweiler das Dilemma. »Man sieht nur das fertige Produkt, aber nicht was darin verborgen ist«. Doch hier gebe es bereits eine Bewegung in die richtige Richtung und vor allem Frauen würden auf lange Sicht die Männer in den Naturwissenschaften einholen, ergänzte Hamkens.

 

Im Kontext des 7. Internationalen Kolloquiums »Optik – Schlüsseltechnologie mit Zukunft«, das von den beiden Aachener Fraunhofer-Instituten IPT und ILT ausgerichtet wurde, erweiterte die Podiumsdiskussion die Ergebnisse der Fachvorträge um eine persönliche Perspektive. Die rasanten technologischen Entwicklungen der Branche geben Zuversicht, dass die aktuelle Krise zwar nicht spurlos, aber doch ohne größere Schäden an den europäischen Optik-Unternehmen vorübergehen dürfte.