Collaborate to Innovate - Making the Net Work

Blogbeitrag von Paul Scholz / 4.11.2019

Radikale Innovationen erfordern eine offene Innovationskultur. In Zeiten, in denen technische Innovationen durch Schnelllebigkeit und zunehmende Komplexität geprägt sind, stellt ein systematisches Technologie- und Innovationsmanagement für Unternehmen umso mehr ein geeignetes Werkzeug dar, um Wettbewerbsvorteile zu identifizieren und auszunutzen. Dabei helfen neue Kooperationsformen, Innovationen unternehmensübergreifend zu realisieren.

Im internationalen Wettbewerb stehen etablierte Unternehmen unter stetigem Innovations- und Veränderungsdruck. Die von Markt und Kunde erwarteten Technologiesprünge nehmen in ihrer Höhe zu und die Innovationszyklen folgen in immer kürzeren Abständen. Häufig kreisen Unternehmen dabei um sich selbst: Sie vertrauen in ihrem Technologie- und Innovationsmanagement auf einen strukturierten Scouting-Prozess um Innovationstrends frühzeitig zu erkennen, gefolgt von Ideenprüfung, Konzepterstellung und abschließender Ressourcenallokation.

Anstatt den Austausch mit Kooperationspartnern wie Kunden, Lieferanten, Hochschulen oder Start-ups zu suchen, setzen Unternehmen dabei häufig auf ihre eigene Innovationsstärke und verzichten systematisch auf einen Austausch mit externen Partnern. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Nutzung von Partnerschaften einen kritischen Beitrag für erfolgreiche Innovation liefern kann.

Schlüsselfaktor Innovationskultur  

Der technologische Wandel – beispielsweise im Bereich der Digitalisierung oder in neuen Technologiefeldern wie dem 3D-Druck – ist für viele Unternehmen in seiner Komplexität extrem herausfordernd. Um ihre Innovationsfähigkeit zu erhalten, sind Unternehmen gezwungen, ihren angestammten Kompetenzkreis zu verlassen. Und genau hier fällt es ihnen der Erfahrung des Fraunhofer IPT nach schwer, sowohl innovativ als auch agil und handlungsfähig zu bleiben. Durch den Zusammenschluss und die Nutzung von komplementäre Kompetenzen können Unternehmen ihren eigenen Kompetenzbereich verlassen und radikale Innovationen entwickeln.

Neben der zunehmenden Komplexität neu aufkommender Technologien sind die benötigten Ressourcen für eine erfolgreiche Integration der neuen Technologie in das Unternehmensportfolio sehr hoch. Eine Co-Entwicklung und die Aufteilung der Kosten versetzt Unternehmen daher in die Lage, schneller und flexibler zu agieren und auf fehlende Kompetenzen zurückzugreifen.

Unternehmensübergreifende Kooperationen sind in Zukunft also maßgeblich, um Innovationsprojekte zu initiieren und durchzuführen. Die Kooperationsformen und -partner dabei sind vielfältig: So bietet beispielsweise eine engere Zusammenarbeit über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg Einblicke in unternehmerische Abläufe, schafft ein besseres gegenseitiges Verständnis und hilft dabei, Probleme aus Kunden- oder Lieferantensicht zu verstehen.

Agilität und Schnelligkeit durch Start-up-Kooperationen

Durch Kooperationen mit Start-ups erhalten etablierte Unternehmen häufig Einsicht in innovative Vorgehensweisen, wie z.B. agile Produktentwicklungsprozesse. So haben mittlerweile 29 der 30 DAX-Unternehmen ein oder mehrere Kooperationsprogramme für die Zusammenarbeit mit vielversprechenden Start-ups etabliert. Diese reichen von Venture Capital und Company Building bis hin zur strukturierten Durchführung bilateraler Entwicklungsprojekte. Eine ganz besondere Form stellen Kooperationen zwischen Großunternehmen dar. Der branchenfremde Austausch von Ideen und Know-how, beispielsweise in Cross-Industry Groups, dient nicht selten als Katalysator für radikale Innovationen.

Wandel im Umgang mit geistigem Eigentum

Wie die Projekterfahrung des Fraunhofer IPT zeigt, scheitern vielversprechende Unternehmenskooperationen häufig jedoch an schutzrechtlichen Fragestellungen hinsichtlich des geistigen Eigentums. Geeignete Kooperationsprozesse und -strukturen helfen dabei, solche Herausforderungen zu überwinden. Moderne Netzwerkkooperationen erfordern einen Wandel der Unternehmenspraxis. Das bewusste Öffnen eigener Schutzrechte sowie der Verzicht auf strikte vertragliche Regelungen erfordert Mut, birgt jedoch großes Potenzial für die Entwicklung von Innovationen.

Transparente Kommunikation

Dabei ist vor allem die intensive Kommunikation zwischen allen wesentlichen Stakeholdern eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Innovationsprozess. Denn ohne einen intensiven Austausch über z.B. Projekterwartungen und -ziele ist eine Kooperation wenig erfolgsversprechend. Fehler, Störungen und Mängel können durch einen stetigen Austausch frühzeitig erkannt und deren Ausbreitung vermieden werden. Transparenz, Offenheit und Agilität sind wesentliche Erfolgsfaktoren, um im Innovationsprozess, hohe Entwicklungs- und Reaktionsgeschwindigkeiten zu erreichen.

 

Tagung zum Thema

Unter dem Motto »Collaborate to Innovate – Making the Net Work« findet am 21. und 22. November 2019 im Pullman Quellenhof in Aachen die 13. Aachener Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung statt. In zahlreichen Fachvorträgen erläutern Referenten aus Industrie und angewandter Forschung, wie mit geeigneten Strukturen, Prozessen und Methoden unterschiedliche Stakeholder über den gesamten Innovationsprozess hinweg eingebunden werden können. Neben Impulsvorträgen und Erfolgsbeispielen aus der unternehmerischen Praxis, steht vor allem der persönliche Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern im Vordergrund. Eine gemeinsame Abendveranstaltung mit Teilnehmern und Referenten bietet in entspannter Atmosphäre zusätzlich die Gelegenheit zum Austausch. Weitere Informationen finden Sie unter www.timtagung.de.