Unser Leitmotiv: Vernetzte, adaptive Produktion

Das Fraunhofer IPT hat sich im Jahr 2015 nach einem intensiven Strategieprozess ein neues Leitmotiv für seine Arbeit gegeben und damit einen klaren Standpunkt zum Thema »Industrie 4.0« bezogen. Dr.-Ing. Thomas Bergs, Geschäftsführer des Fraunhofer IPT, beschreibt den Weg dorthin und verrät, wie es weitergehen wird.

Warum ein neues Leitmotiv für unsere Arbeit?

Das Thema »Industrie 4.0« beschäftigt die Öffentlichkeit, spätestens seit es im Frühjahr 2011 erstmals durch die Medien aufgegriffen wurde. Doch auf die Frage, wie wir uns dazu positionieren wollen, haben wir lange Zeit keine klare Aussage treffen können. Sprechen Sie fünf verschiedene Personen zu diesem Thema an, erhalten Sie fünf verschiedene Antworten. So erlebten wir es selbst in zahllosen internen Gesprächen und sogar im Dialog mit unseren Kunden, die einen hohen Bedarf nach Unterstützung in Forschung und Entwicklung sowie nach konkreter Beratung äußerten. Um dies gewährleisten zu können, war es wichtig, unser eigenes Kompetenz- und Leistungsportfolio an die neuen Herausforderungen der Industrie 4.0 anzupassen – ohne dabei unsere technologischen Wurzeln in Frage zu stellen oder gar aufzugeben.

Was bedeutet das für die Zusammenarbeit mit der Industrie?

Unser Alleinstellungsmerkmal ist seit jeher unsere herausragende Kompetenz in nahezu allen Bereichen der Produktionstechnologie. Mit unserer umfangreichen technischen Ausstattung sind wir in der Lage, den Einsatz innovativer Technologien zu bewerten und zu managen. In unseren Geschäftsfeldern erforschen wir mittlerweile vollständige Prozessketten für die Fertigung anspruchsvoller Komponenten und Produkte führender High-Tech-Branchen. Entscheidend ist, dass wir die Technologien und Methoden nahezu vollständig modellieren und realitätsnah simulieren können. So können wir das gesamte Fertigungssystem und die zugehörigen Prozesse und Prozessketten virtuell abbilden. Hier liegt der Schlüssel, der uns befähigt, unsere Technologien in die Welt der Cyber Physical Systems, des Internet of Things, der Big-Data-Analysen sowie der Echtzeitfähigkeit anhand realer Produktionen zu erforschen und ihren Nutzen für unsere Kunden zu verifizieren. Oder wie es ein Mitglied unseres Kuratoriums formulierte: »Wenn ein Forschungsinstitut die Industrie 4.0 auf den Shopfloor bringen kann, dann ist es das Fraunhofer IPT.« Diese Aussage war für uns ein großer Ansporn, das Fraunhofer IPT konsequent auf die vernetzte, adaptive Produktion auszurichten.

Wo stehen wir heute und wie geht es weiter?

Fragt man uns heute nach unserem Beitrag zur Industrie 4.0, geben wir eine klare Antwort. Es ist die »vernetzte, adaptive Produktion« mit drei zentralen Handlungsfeldern: der Vernetzung von Technologie- und Prozesswissen, der Gestaltung adaptiver Prozesse und Prozessketten – alles auf der Basis unseres tiefgehenden Technologieverständnisses für die Fertigungsprozesse, die Maschinen und die Mess- und Sensortechnik. Entscheidend war darüber hinaus die Einrichtung eines Kompetenzbereichs, der sich hausweit mit allen relevanten Fragen der Softwareentwicklung, der Vernetzung und der Digitalisierung befasst, um bislang noch ungenutzte, aber auch ganz neue Innovationspotenziale zu erschließen. Ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft könnte die Etablierung eines Fraunhofer-Leistungszentrums »Vernetzte, adaptive Produktion« sein: In enger Kooperation mit unseren Nachbarn, den Fraunhofer-Instituten ILT und IME, soll es mit Unterstützung des Landes NRW und eigenen Mitteln der Fraunhofer-Gesellschaft noch 2016 am Standort Aachen errichtet werden. Den drei Fraunhofer-Instituten kann dies als sehr gute Grundlage für die geplante Beteiligung an der Exzellenzinitiative der RWTH Aachen dienen. Das neue Leitmotiv hat uns schon heute in der Außenwahrnehmung – also bei unseren Kunden – ein klareres Profil gegeben. Aber auch nach innen – also für unsere Mitarbeiter – hat es eine große Wirkung, denn Vernetzung und Anpassungsfähigkeit sind wichtige Elemente erfolgreicher Forschungsarbeit.